Sigmaringer Sportfischerverein e.V.
Verein anders sehen

Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Angelfischerverbandes e.V. (DAFV), des Verbandes Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST) und der Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI)
Der Europäische Wels (Silurus glanis) ist Fisch des Jahres 2026. Mit dieser Wahl machen der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI) auf eine faszinierende und nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe besondere Fischart aufmerksam.
FISCH DES JAHRES 2026 - Europäischer Wels (Silurus glanis). Abbildung: DAFV, Eric Otten
Europäische Welse (Silurus glanis) sind mit Längen von bis zu 3 m die größten einheimischen Süßwasser-Prädatoren – eingeschlossen ihre gelegentlichen Ausflüge ins Brackwasser der Ostsee. Mit Gewichten von etwa 150 kg können sie beeindruckende Dimensionen erreichen. Als wärmeliebende Art profitieren die Welse erheblich von den steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels. Obwohl sie überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind, zeigen sie auch tagsüber Jagdverhalten, wenn es sich lohnt, da ihre Beute von kleinen Wirbellosen bis hin zu Vögeln reicht.
Bei nächtlichen Fischjagden kommunizieren die Welse akustisch – sie senden niederfrequente Töne bis in den Infraschallbereich aus, was seit Jahren mit Hilfe von Hydrophonen im Aquarium sowie im Freiland belegt wird. Auch Angler nutzen das außergewöhnliche Hörvermögen unseres Welses: Mit gezielten Schlägen des sogenannten „Wallerholzes“ wird der Fisch zu seiner Angel gelockt.
Besondere Anpassungen unterstützen die erfolgreiche Beutejagd: Zahnkissen aus feinen Bürstenzähnen ermöglichen ein sicheres Festhalten der Beute, während eine nahezu winzige Rückenflosse und das Fehlen einer Fettflosse ebenfalls charakteristisch für diese Art sind. Die schleimige, schuppenlose Haut ragt sogar mit einem Teil über die Kiemenöffnung und verhindert so Verschmutzungen. Eingebettet in die Haut befindet sich ein ausgeklügeltes System von Elektrorezeptoren – dessen genaue Funktion noch nicht vollständig verstanden ist. Auch die beiden großen oberen sowie die vier kleineren unteren Barteln spielen eine wesentliche Rolle bei der Orientierung und der Wahrnehmung von Beute.
Taucher und Schnorchler können sowohl einzelne als auch Gruppen von Welsen, die auch hier Größen von über 2 m erreichen, antreffen. Dabei wurde ein ausgeprägtes Sozialverhalten beobachtet, das von intensivem Körper-, Kopf- und Bartelkontakt sowie tieffrequenten Lautäußerungen geprägt ist – inklusive einer oft akustischen Begrüßung beim Rückkehren. Diese Verhaltensweisen wurden dann auch über einen Zeitraum von zehn Jahren in einem Versuchsbecken des Umweltbundesamtes dokumentiert.
Nach genetischen Analysen ist der jüngste gemeinsame Vorfahre der Silurus-Arten vor knapp 40 Millionen Jahren in SO-Asien entstanden. Zu einem Ausgangspunkt der adaptiven Radiation in SO-Asien kam auch eine phylogenetische Untersuchung an morphologischen Merkmalen. Die Nachfahren der Stammart wanderten im Rahmen ihrer Evolution wohl bis zum Oberrhein und dem Doubs in Ostfrankreich, wobei sie sich in fast 20 Arten aufspalteten.
Die weiteren Hauptvorkommen in West- und Südeuropa sind jedoch überwiegend das Ergebnis menschlichen, oft illegalen Eingreifens, was den ursprünglichen Lebensgemeinschaften vieler Gewässer erheblich schadete. Infolge dessen wurde bereits ein internationales Forschungsprojekt ins Leben gerufen, an dem die Länder Italien, Portugal und Tschechien mit Unterstützung der EU Maßnahmen zur Regulierung der Welsbestände in gefährdeten Seen entwickeln. Darüber hinaus stellt die zunehmende Präsenz von Welsen ein Problem für wandernde Fischarten, wie etwa Lachse, dar – besonders an Wehranlagen, Querverbauungen und Fischtreppen, wo sie häufig anzutreffen sind.
Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV), das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST) und die Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI) küren in Deutschland jedes Jahr den „Fisch des Jahres“. Der „Fisch des Jahres“ ist eine Auszeichnung, die in verschiedenen Ländern vergeben wird, um auf bedrohte Fischarten und deren Lebensräume aufmerksam zu machen. In Deutschland beispielsweise wird seit 2003 jedes Jahr eine bestimmte Art gewählt, um auf deren ökologische Bedeutung und den Schutzbedarf hinzuweisen. Jeder Projektpartner schlägt für die Wahl eine Fischart vor. Seit dem Jahr 2023 wird der Fisch des Jahres in einer öffentlichen Onlineabstimmung unter den vier Kandidaten gewählt.